10 PRAKTISCHE EMPFEHLUNGEN von Eurem Anwalt Pérez Alonso…
am 4. März 2026
Liebst Du diese Insel über alles, hast Du die alte Heimat satt, kannst die Kälte nicht mehr ertragen, träumst davon, für immer hier zu leben und gemeinsam mit Deinem „Schatz” eine kleine Bar auf Gran Canaria zu eröffnen, verfügst über einige Ersparnisse und hat man Dir vielleicht sogar angeboten, eine Bar zu übernehmen? Als Anwalt, der leider allzu oft erlebt, wie viele Menschen bei diesem Schritt schwerwiegende Fehler begehen und am Ende scheitern, möchte ich Dir einige sehr nützliche (und kostenlose) Empfehlungen mit auf den Weg geben:
1. Der wichtigste Rat: Nimm unbedingt für den Kauf, die Übernahme oder die Eröffnung einer Bar die Hilfe eines kompetenten Anwalts in Anspruch, insbesondere wenn Du kein Spanisch sprichst, das spanische Mietrecht nicht gut kennst oder keine unternehmerische Erfahrung hast. Bei der Übertragung von Bars und Restaurants sind viele rechtliche Details entscheidend, und es können gravierende Fehler passieren. Vertraue nicht blind den Personen, die Dir das Geschäft verkaufen wollen. Ein guter Berater kann Dir zudem helfen, Risiken zu erkennen und bessere Vertragsbedingungen auszuhandeln.
2. Du wirst zusätzlich einen Steuerberater (Gestoría) für die laufenden Steuererklärungen und in der Regel auch einen Arbeitsberater (Asesor laboral) für Lohnabrechnungen und sozialversicherungsrechtliche Fragen benötigen, sobald Du Angestellte hast. Trenne strikt Deine privaten und geschäftlichen Einnahmen und Ausgaben, führe getrennte Bankkonten und arbeite von Anfang an sauber und organisiert. Bewahre alle Verträge, Lizenzen, Rechnungen, Genehmigungen und Belege sorgfältig auf. Mit Finanzamt und Sozialversicherung sollte man sich niemals leichtfertig anlegen – sie sind äußerst konsequente Gegner. Vergesse nicht, dass ein erheblicher Teil des Umsatzes fürs Finanzamt ist, gehe damit vernünftig um.
3. Prüfe die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten sehr nüchtern: Lage, Zielpublikum, Konkurrenz, Preisniveau, Konzept, Marketing, notwendige Investitionen, mögliche Umbaukosten, Lizenzen, Betriebskosten sowie die genaue Laufzeit und die Bedingungen des Mietvertrages. Lasse Dich nicht von der Illusion leiten, sondern rechne realistisch, schlafe mehrere Nächte darüber und entscheide erst dann. Überlege genau, was Du Deinen Gästen bieten willst, was Dich von anderen abhebt und wie Du Qualität und Freundlichkeit dauerhaft sicherstellen kannst.
4. Unterschätze niemals den Arbeitsaufwand. Gastronomie ist harte körperliche und mentale Arbeit. Vergiss die romantische Vorstellung, ein paar Angestellte zu haben und abends entspannt am Strand zu spazieren. In der Praxis arbeitest Du selbst am meisten, insbesondere in den ersten Jahren, und es ist keineswegs leicht, genügend Gewinn zu erzielen, um dauerhaft Personal finanzieren zu können.
5. „Wer nichts wird, wird Wirt?“ Das ist ein gefährlicher Irrtum. Wirte verdienen unsere Hochachtung. Gastronomie erfordert Können, Fleiss, Disziplin, Belastbarkeit und ein hohes Maß an Serviceorientierung. Wer unfreundlich, unorganisiert oder nicht belastbar ist, sollte kein Restaurant oder keine Bar eröffnen. Wenn Du nicht kochen kannst, kein Organisationstalent hast oder Hygiene nicht ernst nimmst, ist dieses Geschäft ungeeignet. Wer zu Alkohol neigt, sollte erst recht keine Bar betreiben. Ohne Erfahrung in der Gastronomie riskierst Du schnell Zeit, Nerven und Dein hart erspartes Geld. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Bars die ersten drei Jahre wirtschaftlich nicht überstehen.
6. Sei Dir bewusst, dass die ersten Monate (oft sogar das erste Jahr) finanziell sehr hart sein können. Du benötigst ausreichende Rücklagen, um die Anlaufphase und mögliche schlechte Saisons zu überstehen. Der Sommer kann hart sein. Idealerweise erfolgt die Finanzierung mit Eigenkapital und nicht mit Krediten, die zusätzlichen Druck erzeugen.
7. Eröffne eine Bar möglichst nicht mit Freunden, Bekannten oder losen Geschäftspartnern. In der Praxis führt dies häufig zu Konflikten, die am Ende Geld, Zeit und auch Freundschaften kosten. Wenn überhaupt, dann höchstens mit dem eigenen Lebenspartner und auf klarer vertraglicher Grundlage. Stelle qualifiziertes Personal ein und nicht irgendjemanden nur aus reiner Sympathie. Bleibe aufmerksam und kontrolliere die Kassen und Deine Abläufe, denn leider kommt es in der Gastronomie nicht selten zu internen Verlusten oder Unregelmäßigkeiten.
8. Nimm Dir ausreichend Zeit, den richtigen Standort zu finden. Lasse Dich nicht von Zeitdruck, Maklern oder vermeintlichen „Schnäppchen“ unter Druck setzen. Das erstbeste oder billigste Objekt ist selten das geeignetste. Die Lage entscheidet im Gastgewerbe oft über Erfolg oder Misserfolg.
9. Achte auf Deine Gesundheit. Die Arbeit in einer Bar bringt lange Arbeitszeiten, Stress und ständigen Kontakt mit Alkohol mit sich. Trinke nicht regelmäßig mit Kunden, halte konsequent Abstand zu Drogen und sorge für klare persönliche Grenzen. Wenn möglich, wohne in der Nähe Deines Betriebs, um Wege zu verkürzen und Deinen Alltag besser zu organisieren.
10. Und schließlich: Wenn Du erkennst, dass das Geschäft wirtschaftlich nicht tragfähig ist, sei realistisch. Verharre nicht aus Stolz oder Hoffnung in einer Verlustsituation, verlängere das Leiden nicht unnötig und ziehe rechtzeitig Konsequenzen, bevor Dich das Projekt finanziell oder persönlich vollständig aufreibt. Manchmal ist ein rechtzeitiger Ausstieg die klügere und verantwortungsvollere Entscheidung.
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